Sternbilder im Frühling: Löwe, Jungfrau und Bärenhüter finden
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Im April und Mai steht der Loewe gegen 22 Uhr direkt im Sueden, gefolgt von der Jungfrau und dem Baerenhueter. Diese drei Fruehlingssternbilder zeigen sich am dunklen Landhimmel auch ohne Teleskop, fuenf bis sieben Hauptsterne pro Konstellation reichen zur Bestimmung. Wer 20 Minuten Augenadaption mitbringt und eine rote Taschenlampe statt einer weissen, findet alle drei in einem Anfaenger-Abend.
Der Loewe: Das Sternbild mit der Sichelfigur
Der Loewe (Leo) ist das einzige Fruehlingssternbild, das tatsaechlich wie sein Namensgeber aussieht. Sechs helle Sterne formen eine deutlich erkennbare Sichel, die den Kopf und die Mahne markiert, dahinter liegt das Dreieck aus Denebola, Zosma und Chertan, das den Hinterleib bildet. Der hellste Stern ist Regulus mit Magnitude 1,4, sichtbar selbst aus Stadtgebieten der Lichtklasse 6 nach der Bortle-Skala.
Praxis-Tipp zum Auffinden: Vom Grossen Wagen ausgehend, die Zeigerlinie der hinteren beiden Kastensterne nach Sueden verlaengern, etwa um den dreifachen Abstand. Der erste sehr helle Stern auf dieser Linie ist Regulus. Von dort aus erkennt man die Sichel nach Norden, das Dreieck nach Osten.
Im Loewen liegt die beruehmte Leo-Galaxiengruppe mit M65, M66 und NGC 3628, sichtbar ab 8x42 Fernglas am sehr dunklen Himmel als blasse, ovale Lichtflecken. Ein 200-Millimeter-Teleskop zeigt die Spiralstruktur dieser Galaxien rund 35 Millionen Lichtjahre entfernt.
Die Jungfrau: Wo Spica leuchtet
Die Jungfrau (Virgo) ist das zweitgroesste Sternbild am Himmel, aber optisch unauffaellig. Sie besteht aus vielen Sternen mittlerer Helligkeit zwischen Magnitude 3 und 5, plus einem klaren Anker: Spica mit Magnitude 1,0. Spica ist der hellste Stern im Fruehling am Suedhimmel und nicht zu uebersehen.
Auffinden ueber den Baerenhueter: Vom Bogen des Grossen Wagens die Linie weiterziehen, Bogen "Arc to Arcturus, then Spike to Spica". Der Bogen fuehrt zuerst zu Arcturus (Baerenhueter), die gerade Verlaengerung dann zu Spica. Dieser Merksatz funktioniert seit Generationen.
In der Jungfrau liegt der Virgo-Cluster: ueber 1.300 Galaxien zwischen Beta und Epsilon Virginis. Mit einem 4-Zoll-Teleskop sind Galaxien wie M84, M86 und die beruehmte Markarjan-Kette sichtbar. Fuer Einsteiger ist das ein guter Anlass, das eigene Einsteiger-Teleskop zum ersten Mal an Galaxien zu testen.
Der Baerenhueter: Arcturus als hellster Stern
Der Baerenhueter (Bootes) hat eine eindrucksvolle Drachen-Form aus sieben Hauptsternen, dominiert von Arcturus mit Magnitude minus 0,05. Arcturus ist der vierthellste Stern am gesamten Nachthimmel und der hellste in der noerdlichen Hemisphaere. Seine orange-roetliche Farbe ist mit blossem Auge erkennbar und stammt von der niedrigen Oberflaechentemperatur von rund 4.300 Kelvin.
Form und Standort: Der Drache zieht sich vom hellen Arcturus aus diagonal nach Nordosten, der breiteste Teil liegt etwa auf halbem Weg zur Krone. Wer im April nach 23 Uhr nach Osten blickt, sieht Arcturus schon hoch ueber dem Horizont, im Mai erreicht er gegen 21 Uhr seinen suedlichen Hoechststand.
Vergleich der drei Fruehlingssternbilder
| Sternbild | Hellster Stern | Magnitude | Beste Sichtbarkeit | Highlights |
|---|---|---|---|---|
| Loewe (Leo) | Regulus | 1,4 | April, 22 Uhr | Leo-Triplet (M65/66/3628) |
| Jungfrau (Virgo) | Spica | 1,0 | Mai, 22 Uhr | Virgo-Cluster, ueber 1.300 Galaxien |
| Baerenhueter | Arcturus | -0,05 | Mai, 23 Uhr | Hellster Stern der Nordhemisphaere |
Die Stundenuhr der Sternbilder: Wann steht was wo
Sternbilder wandern jede Nacht um vier Minuten nach Westen, das macht ueber einen Monat zwei Stunden Verschiebung. Anfang April geht der Loewe gegen 0 Uhr im Westen unter, Ende Mai bereits gegen 22 Uhr. Wer Sternbilder regelmaessig beobachtet, bekommt nach wenigen Wochen ein intuitives Gefuehl fuer die Zeit ohne Uhr.
Praktische Beobachtungsfenster fuer Fruehlingssternbilder: April zwischen 21 und 24 Uhr, Mai zwischen 20 und 23 Uhr, Anfang Juni nur noch in der Daemmerung. Ab Mitte Juni dominieren die Sommersternbilder wie Schwan, Adler und Skorpion den Suedhimmel.
Standorte und Lichtverschmutzung
Fuer die hellen Hauptsterne reicht jeder Garten, fuer das Galaxien-Beiwerk braucht es einen Bortle-Klasse 4 oder besser. Dunkle Gebiete in Deutschland: Eifel (Nationalpark Sternenpark Eifel), Rhoen, Westhavelland und der Bayerische Wald. Reisezeit fuer Hobbyastronomen: idealerweise neumondnaehe, das gibt knapp eine Woche pro Monat brauchbare Dunkelheit.
Stadtnaehe funktioniert fuer die drei genannten Hauptsternbilder bedingt. Im 30 Kilometer Umkreis grosser Staedte verschluckt der Lichtdom die Sterne unter Magnitude 4. Die Sichel des Loewen bleibt sichtbar, die Galaxien dahinter nicht. Mehr Details zu dunklen Standorten findest du im Guide zur Lichtverschmutzung.
Doppelsterne und andere Highlights mit dem Fernglas
Wer ein 8x42 Fernglas hat, findet im Fruehlingshimmel viele lohnende Objekte abseits der bekannten Hauptsterne. Im Loewen lohnt sich Algieba (Gamma Leonis): ein optisch einfacher Doppelstern, der bereits im Teleskop ab 80 Millimeter Oeffnung deutlich in zwei goldene Komponenten zerlegt wird. Im Baerenhueter ist Izar (Epsilon Bootis) noch eindrucksvoller, mit einem orange-blauen Farbkontrast.
Im Spitzendarsteller Loewen Hauf Sterne sind als Vorschau auf den Sommerhimmel auch die Beerenkugel-Sternhaufen M3 in den Jagdhunden direkt benachbart. M3 ist mit einem 8x42 Fernglas als verwaschener Lichtfleck sichtbar, im Teleskop ab 100 Millimeter Oeffnung zerfaellt er in Hunderte Einzelsterne, die rund 33.000 Lichtjahre entfernt liegen.
Fuer Einsteiger ist es ratsam, mit den hellen Sichtkomponenten zu starten und sich nicht in den schwachen Galaxien zu verlieren. Erfolgserlebnisse halten die Motivation hoch, Frust durch zu schwer auffindbare Objekte kostet langfristig die Beobachtungsfreude. Wer Schritt fuer Schritt die einfachen Ziele meistert, baut Grundlagen fuer komplexere Astrofotografie auf.
Bottom Line
Ein 8x42 Fernglas, eine wattierte Decke oder ein Liegestuhl, eine rote Stirnlampe (10 bis 30 Euro), eine Sternkarte oder die App "Stellarium" als kostenfreie Variante. Dazu 60 Minuten Zeit ohne Mond am Himmel. Fang mit Arcturus an, der ist der Schluessel fuer den Bogen "Arc to Arcturus, Spike to Spica". Wenn du diese Linie kennst, hast du in einer Stunde die drei wichtigsten Fruehlingssternbilder fest verankert. Der Rest kommt mit der Praxis: Drei Beobachtungsabende pro Monat ueber ein halbes Jahr, dann erkennst du das saisonale Wechseln des Himmels intuitiv und unterscheidest Fruehlings- von Sommerformationen mit einem Blick.
Veröffentlicht durch die Outdoor Panorama-Redaktion. Veröffentlicht am 13. Juni 2026.
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