ISS beobachten: Wann und wo die Raumstation sichtbar ist
Dieser Artikel kann Affiliate-Links enthalten. Wenn du über diese Links einkaufst, erhalten wir möglicherweise eine kleine Provision — ohne Mehrkosten für dich. Das hilft uns, weiterhin kostenlose Inhalte zu erstellen.
Die ISS umkreist die Erde in 400 Kilometern Höhe etwa alle 92 Minuten und ist mit bloßem Auge sichtbar, wenn sie hell genug von der Sonne angestrahlt wird. Pro Woche gibt es typischerweise 3 bis 6 gute Sichtbarkeitsfenster aus Mitteleuropa heraus.
Die Raumstation gehört zu den hellsten Objekten am Nachthimmel. Mit Magnitude -3 ist sie heller als jeder Stern und nach Mond und Venus oft das auffälligste am Himmel. Voraussetzung für die Beobachtung: die ISS muss in der Sonne stehen, während der Beobachter bereits im Erdschatten liegt.
Warum die ISS überhaupt sichtbar ist
Die Internationale Raumstation hat keine eigene Lichtquelle, die von der Erde aus sichtbar wäre. Was als heller Punkt am Himmel zieht, ist reflektiertes Sonnenlicht der riesigen Solarpanele. Diese decken eine Fläche von 2.500 Quadratmetern ab und reflektieren stark.
Sichtbar ist die ISS nur in den 1 bis 2 Stunden nach Sonnenuntergang und 1 bis 2 Stunden vor Sonnenaufgang. Tagsüber überstrahlt der helle Himmel die Station, in der tiefen Nacht liegt die ISS selbst im Erdschatten und ist dunkel.
Pro Tag gibt es 16 ISS-Umläufe. Davon sind von einem festen Standort aus typischerweise 2 bis 6 Überflüge sichtbar, je nach Bahn-Lage und Tageszeit. In Sommermonaten (Mai bis August) ist die Sichtbarkeit besonders gut.
Helligkeit und Erscheinungsbild
Die ISS wirkt am Himmel wie ein sehr heller, weißer Stern, der mit konstanter Geschwindigkeit ohne Funkeln über den Himmel zieht. Der Überflug dauert je nach Bahn 3 bis 8 Minuten.
Magnitude-Werte zwischen -1 und -4 sind möglich. Zum Vergleich: Sirius hat Magnitude -1,46, Venus erreicht maximal -4,7. Die ISS kann an günstigen Tagen heller als jeder Planet sein. Bei einem direkten Zenit-Überflug mit voller Sonneneinstrahlung sieht man Magnitude -3 bis -4.
Ein typischer Überflug beginnt im Westen, steigt zur Himmelsmitte (Süden) und verschwindet im Osten. Die Station bewegt sich mit etwa 28.000 Kilometern pro Stunde, deutlich schneller als jedes Flugzeug. Flugzeuge funkeln (Bordlichter), die ISS leuchtet konstant.
Die besten Tools für Überflugs-Vorhersagen
Für ISS-Beobachtungen sind genaue Zeit-Vorhersagen entscheidend. Die NASA bietet kostenlosen Vorhersage-Service unter spotthestation.nasa.gov, mit Eingabe der Stadt oder GPS-Koordinaten. Genauigkeit: auf 30 Sekunden präzise.
Die App "ISS Detector" (kostenlos, Android und iOS) liefert push-Benachrichtigungen 5 Minuten vor jedem Überflug. Konfigurierbar nach Magnitude-Schwelle (nur ab -2 melden) und Mindest-Höhe (nur Überflüge ab 30 Grad).
Die Webseite heavens-above.com ist der Klassiker für alle Satelliten-Beobachter. Zeigt nicht nur die ISS, sondern auch andere helle Satelliten wie das Hubble-Teleskop oder Iridium-Satelliten. Empfohlene Filter: Magnitude < -1, Höhe > 20 Grad.
| Tool | Plattform | Push-Benachrichtigung | Genauigkeit |
|---|---|---|---|
| NASA Spot the Station | Web + E-Mail | Ja, per Mail | +/- 30 Sekunden |
| ISS Detector | Android, iOS | Ja, Push | +/- 15 Sekunden |
| Heavens-Above | Web + App | Nein | +/- 10 Sekunden |
| Stellarium Mobile | Android, iOS | Nein, im Live-View | +/- 5 Sekunden |
| SkySafari Plus | Android, iOS | Optional kostenpflichtig | +/- 5 Sekunden |
So liest sich eine Überflug-Vorhersage
Jede ISS-Vorhersage liefert vier wichtige Angaben: Startzeit, Dauer, maximale Höhe und Sichtbarkeits-Magnitude. Beispiel: Start 21:14, Dauer 6 Minuten, max. Höhe 87 Grad, Magnitude -3,9.
Die maximale Höhe ist der wichtigste Wert. Unter 20 Grad ist der Überflug niedrig am Horizont, oft durch Häuser oder Bäume verdeckt. Zwischen 30 und 60 Grad ist gut. Über 60 Grad fast im Zenit, ideal für Foto-Versuche und Sichtbarkeit.
Die Magnitude gibt die Helligkeit an. Werte zwischen -3 und -4 sind spektakulär. Bei -1 oder schwächer ist die Station noch sichtbar, aber unauffällig zwischen anderen hellen Sternen.
Foto und Video aufnehmen
Die ISS lässt sich gut fotografieren, weil sie hell ist und vorhersagbar zieht. Drei Methoden funktionieren: Smartphone mit Pro-Modus, Spiegelreflex mit Stativ und Langzeitbelichtung, oder Video mit anschließender Komposition aller Frames.
Smartphone-Setup: Pro-Modus, ISO 800-1600, Verschlusszeit 4 bis 10 Sekunden, Stativ pflicht. Mit dem Selbstauslöser fotografieren, damit das Auslösen die Kamera nicht wackelt. Die Stations-Spur wird als heller Strich am Himmel sichtbar.
Spiegelreflex-Setup: Weitwinkel-Objektiv 14-24mm, Blende offen (f/2.8 oder f/4), ISO 400, Belichtungszeit für die volle Überflug-Dauer (3-8 Minuten). Wichtig: Manueller Fokus auf unendlich, sonst wird der Streifen unscharf. Mehr Details zur Astrofotografie im Artikel zum Milchstraße fotografieren.
Andere helle Satelliten zur Beobachtung
Neben der ISS gibt es weitere lohnenswerte Objekte. Das Hubble-Weltraumteleskop ist mit Magnitude 1-2 schwächer, aber regelmäßig sichtbar. Das chinesische Tiangong wird mit Magnitude 0-1 ähnlich hell wie schwächere ISS-Überflüge.
Iridium-Satelliten verursachten früher die sogenannten Iridium-Flares: kurze, sehr helle Aufblitzer bis Magnitude -8. Die alte Konstellation ist deaktiviert, neue Iridium-NEXT-Satelliten zeigen keine vergleichbaren Flares. Diese Beobachtungs-Disziplin ist Geschichte.
Starlink-Züge erscheinen als Kette hintereinander ziehender Punkte direkt nach dem Start. Etwa 24 Stunden nach dem Launch sind 40-60 Satelliten in dichter Formation sichtbar, danach driften sie auseinander. Diese Beobachtung gelingt nur in den ersten Tagen nach einem Start.
Praktische Beobachtungs-Vorbereitung
Eine erfolgreiche ISS-Beobachtung steht und fällt mit der Vorbereitung. 30 Minuten vor dem Überflug aus dem hellen Wohnzimmer rausgehen, damit sich die Augen an die Dunkelheit anpassen. Smartphone-Display auf Nacht-Modus oder rotes Filter, sonst dauert die Adaption von vorn los.
Sichtbarkeits-Richtung prüfen: Die meisten Überflüge starten im Westen oder Nordwesten und enden im Osten oder Südosten. Ein freier Horizont in diese Richtungen ist Pflicht. Hochhäuser, dichte Bäume oder Hügel können bei niedrigen Bahnen den Anfang oder das Ende blockieren.
Bei Familien-Beobachtungen lohnt sich der 5-Minuten-Countdown laut zu zählen. Kinder verlieren sonst die Konzentration. Auf dem Smartphone den Vorhersage-Bildschirm offen lassen, damit die genaue Startzeit verlässlich abrufbar ist. Wer eine Stoppuhr nutzt, kann die maximale Höhe besser timen.
Direkt zum Punkt
Die ISS ist das einfachste Astro-Objekt überhaupt für Einsteiger. Keine Ausrüstung nötig, vorhersagbar auf die Sekunde, klar sichtbar selbst aus Großstädten. Die richtige App auf dem Smartphone, ein freier Blick nach Westen und Osten, und 5 Minuten Geduld reichen aus.
Wer regelmäßig nach Vorhersagen schaut und auf gute Überflüge (Magnitude < -2, Höhe > 50 Grad) wartet, erlebt 1-2 spektakuläre ISS-Passagen pro Monat. Für Kinder ist das oft der Türöffner zur Astronomie überhaupt. Wer dann tiefer einsteigt, profitiert vom Beitrag zu den 15 wichtigsten Sternbildern am Nordhimmel.
Veröffentlicht durch die Outdoor Panorama-Redaktion. Veröffentlicht am 8. August 2026.
Verantwortlich i.S.d. § 18 MStV: siehe Impressum.
Fehler entdeckt oder ergänzende Erfahrung? korrektur@outdoor-panorama.de
Natur-Tipps für jede Jahreszeit
Wanderrouten, Beobachtungstipps und Outdoor-Wissen – kostenlos und jederzeit abbestellbar.
🎁 Gratis dazu: Naturbeobachter-Guide (PDF)