Sternhaufen beobachten: Plejaden, Hyaden und Kugelsternhaufen
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Sternhaufen gehören zu den lohnendsten Deep-Sky-Objekten: Schon mit einem kleinen Fernglas löst du die Plejaden in Einzelsterne auf, und ein 6-Zoll-Teleskop zeigt dir Kugelsternhaufen als funkelnde Kugeln aus Zehntausenden Sonnen.
Offene Sternhaufen: Junge Sterne in lockerer Formation
Offene Sternhaufen bestehen aus einigen Dutzend bis wenigen Tausend Sternen, die aus derselben Gaswolke entstanden sind. Sie liegen in der Milchstraßenebene und sind mit bloßem Auge oder Fernglas oft schon sichtbar.
Die Plejaden (M45)
Das bekannteste Sternhauf-Objekt am Nordhimmel steht im Sternbild Stier. Mit bloßem Auge zählst du 6 bis 7 Sterne, im Fernglas werden es über 30. Die Plejaden stehen 444 Lichtjahre entfernt und sind erst 100 Millionen Jahre alt — astronomisch betrachtet Babys. Im Teleskop ab 4 Zoll Öffnung wird bei dunklem Himmel der bläuliche Reflexionsnebel sichtbar, der die hellsten Sterne umgibt.
Die Hyaden (Mel 25)
Die Hyaden bilden das V-förmige Gesicht des Stiers und sind mit 153 Lichtjahren der erdnächste offene Sternhaufen. Im Fernglas füllst du ein ganzes Gesichtsfeld mit ihren orangefarbenen und weißen Sternen. Aldebaran (Alpha Tauri), der hellste Stern im V, gehört allerdings nicht zum Haufen — er steht nur zufällig in derselben Blickrichtung, ist aber nur halb so weit entfernt.
Kugelsternhaufen: Uralte Sternenkugeln
Kugelsternhaufen sind das genaue Gegenteil der offenen Haufen: Sie enthalten 100.000 bis über eine Million Sterne, sind 10 bis 13 Milliarden Jahre alt und umkreisen das Zentrum unserer Galaxie in weiten Bahnen. Ihre kompakte, kugelförmige Struktur macht sie zu spektakulären Teleskop-Objekten.
M13 — Der Herkules-Haufen
Mit 300.000 Sternen und einer Entfernung von 25.000 Lichtjahren ist M13 der Paradekugelsternhaufen des Nordhimmels. Im 10x50-Fernglas erscheint er als neblig-runder Fleck. Ab 6 Zoll Öffnung und 150-facher Vergrößerung löst du die Randbereiche in Einzelsterne auf — ein Anblick, der selbst erfahrene Beobachter beeindruckt.
M3 und M5 — Die unterschätzten Rivalen
M3 (Jagdhunde) und M5 (Schlange) stehen M13 in nichts nach, werden aber seltener beobachtet. M5 zeigt bei hoher Vergrößerung einen besonders dichten Kern mit auffällig gelblichen Sternen — ein Hinweis auf sein hohes Alter von 13 Milliarden Jahren.
| Objekt | Typ | Helligkeit | Entfernung | Beste Optik |
|---|---|---|---|---|
| M45 (Plejaden) | Offen | 1,6 mag | 444 Lj | Fernglas 10x50 |
| Mel 25 (Hyaden) | Offen | 0,5 mag | 153 Lj | Fernglas 7x50 |
| M13 (Herkules) | Kugel | 5,8 mag | 25.000 Lj | Teleskop 6"+ |
| M3 (Jagdhunde) | Kugel | 6,2 mag | 34.000 Lj | Teleskop 6"+ |
| M5 (Schlange) | Kugel | 5,6 mag | 24.500 Lj | Teleskop 6"+ |
| M22 (Schütze) | Kugel | 5,1 mag | 10.400 Lj | Fernglas/Teleskop |
Ausrüstung für Sternhaufen
Offene Sternhaufen zeigen sich am besten bei niedriger Vergrößerung und weitem Gesichtsfeld — ein 10x50-Fernglas oder ein Teleskop mit Weitwinkelokular (30–50-fache Vergrößerung) ist ideal. Kugelsternhaufen brauchen das Gegenteil: hohe Vergrößerung (150–250x) und möglichst viel Öffnung, damit du Einzelsterne auflösen kannst.
Sternhaufen finden
Die Plejaden und Hyaden findest du mit bloßem Auge über den Gürtel des Orion: Verlängere die drei Gürtelsterne nach rechts oben — zuerst triffst du auf Aldebaran und die Hyaden, dann weiter auf die Plejaden. M13 steht im Sternbild Herkules zwischen den Sternen Eta und Zeta Herculis — etwa ein Drittel der Strecke von Eta nach Zeta. Moderne GoTo-Montierungen fahren alle Messier-Objekte automatisch an.
Die 10 besten Sternhaufen für Einsteiger nach Jahreszeit
Herbst/Winter: Plejaden (M45, Stier) — ab 7×50 Fernglas ein Funkeln aus 6+ Sternen. Hyaden (Stier) — der nächste offene Haufen, ideal fürs bloße Auge. Doppelhaufen h+chi Persei (Perseus) — zwei Haufen im selben Gesichtsfeld, spektakulär im Fernglas.
Frühling: M44 Praesepe (Krippe, Krebs) — 70+ Sterne im Fernglas sichtbar. M67 (Krebs) — älterer, kompakterer Haufen, braucht mindestens 80 mm Teleskop.
Sommer: M13 (Herkuleshaufen) — der König der Kugelsternhaufen am Nordhimmel, im 8-Zoll-Dobson lösen sich einzelne Sterne am Rand auf. Wildentenhaufen M11 (Scutum) — dicht gepackt, im Teleskop wie ein Sternensee.
Ganzjährig: Omega Centauri (tief im Süden, von Süddeutschland aus möglich im Mai/Juni) — mit 10 Millionen Sternen der größte Kugelsternhaufen, im Fernglas bereits aufgelöst. M3 und M5 — zwei helle Kugelsternhaufen für Frühlingsnächte.
Beobachtungstechnik: So holst du das Maximum aus deinem Teleskop
Offene Sternhaufen brauchen niedrige Vergrößerung und großes Gesichtsfeld. Dein 25–32 mm Okular (30–50× bei f/5) zeigt die Plejaden als funkelndes Feld aus blauen Sternen — bei höherer Vergrößerung verlierst du den Überblick und den Wow-Effekt. Dein Fernglas zeigt offene Haufen oft besser als das Teleskop.
Kugelsternhaufen brauchen das Gegenteil: hohe Vergrößerung, um Einzelsterne am Rand aufzulösen. M13 im 8-Zoll bei 150× zeigt hunderte Sterne, die sich wie ein Diamantenhaufen aus dem Kern lösen. Bei 50× sieht derselbe Haufen wie ein verwaschener Fleck aus.
Averted Vision: Wenn du knapp neben das Objekt schaust (10–15° versetzt), aktivierst du die lichtempfindlicheren Stäbchenzellen am Rand der Netzhaut. Schwache Haufen wie M92 oder M15 werden dadurch um 1–2 Größenklassen heller. Diese Technik ist der größte Einzelgewinn für visuelle Deep-Sky-Beobachtung — und sie kostet nichts.
Fazit
Beginne heute Abend mit den Plejaden im Fernglas — du brauchst keinen dunklen Standort und kein Teleskop. Kugelsternhaufen wie M13 sind der nächste Schritt, sobald du ein Teleskop ab 6 Zoll Öffnung hast. Jeder dieser Haufen erzählt eine andere Geschichte über die Entstehung und das Alter unserer Galaxie.
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