Sternbilder im Herbst: Pegasus, Andromeda und Fische
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Das Herbstviereck steht ab Anfang September gegen 23 Uhr 30 Grad über dem Osthorizont — eine fast quadratische Figur aus vier Sternen 2. Magnitude, größer als jede vergleichbare Anordnung am Himmel. Drei Ecken gehören zu Pegasus (Markab, Scheat, Algenib), die vierte (Alpheratz) ist eigentlich der Hauptstern der Andromeda. Wer dieses Viereck findet, hat den Schlüssel zur gesamten Herbstmilchstraße in der Hand.
Pegasus — das geflügelte Pferd
Pegasus belegt mit 1.121 Quadratgrad den siebtgrößten Platz am Himmel. Die markantesten Sterne: Markab (Alpha Pegasi, Magnitude 2.5, 133 Lichtjahre), Scheat (Beta Pegasi, 2.4 mag, Roter Riese mit 1.000-facher Sonnenleuchtkraft), Algenib (Gamma Pegasi, 2.8 mag) und Enif (Epsilon Pegasi, 2.4 mag, der "Pferdemund" am rechten Ende). Die Figur stellt mythologisch das geflügelte Ross dar, das aus dem Blut der Medusa entstand — am Himmel siehst du allerdings nur den Vorderkörper.
Im Pegasus liegt M15, ein Kugelsternhaufen 33.600 Lichtjahre entfernt, mit Gesamthelligkeit 6.2 mag. Im 10×50-Fernglas erscheint er als kleiner, runder Nebel; im 8-Zoll-Teleskop lösen sich die hellsten Randsterne. Aufsuchpfad: Von Enif 4 Grad nordwestlich entlang einer leichten Bogenlinie — dort steht M15 direkt sichtbar. Im Herbst gehört er zu den schönsten Kugelhaufen für den Nordhimmel.
Pegasus hilft als Sprungbrett zu vielen Nachbarbildern. Vom Stern Algenib aus startet die Sternenkette der Andromeda nach Nordosten, von Scheat aus deutet eine schräge Linie auf Cassiopeia, und Markab zeigt direkt nach Süden auf den Fisch Fomalhaut im Sternbild Südlicher Fisch (Piscis Austrinus). Wer den Pegasus beherrscht, navigiert die gesamte Herbstecke des Himmels.
Andromeda mit der Andromedagalaxie M31
Andromeda erstreckt sich als langgezogene Sternenkette vom Pegasus nach Nordosten. Die drei Hauptsterne Alpheratz (Alpha And, 2.0 mag), Mirach (Beta And, 2.1 mag) und Almach (Gamma And, 2.1 mag) bilden einen leicht gebogenen Bogen über etwa 25 Grad. Almach ist ein Doppelstern (gold + blau), im 4-Zoll-Refraktor bei 60-facher Vergrößerung ein optisches Highlight.
Das berühmteste Objekt im Sternbild ist die Andromedagalaxie M31 — mit Magnitude 3.4 das fernste Objekt, das du mit bloßem Auge sehen kannst (2,5 Millionen Lichtjahre). Aufsuchpfad: Von Mirach 1,5 Grad nordwestlich zu My And (4.0 mag), dann weitere 1,5 Grad in dieselbe Richtung — dort steht M31 als länglicher, nebliger Lichtfleck. Mit 70 bis 80 Bogenminuten Ausdehnung füllt sie im Fernglas das halbe Sichtfeld.
In klaren, lichtarmen Nächten erkennst du im 10×50-Fernglas auch M32 (Magnitude 8.1) als kleinen Lichtknoten unmittelbar südlich von M31. M110 (8.5 mag, etwas weiter nordwestlich) verlangt 7×50 oder größer plus dunklen Himmel. Beide sind Begleitgalaxien der Andromedagalaxie und sichtbarer Teil der Lokalen Gruppe.
Fische — das schwierige Sternbild
Das Sternbild Fische (Pisces) gehört zu den ältesten Tierkreiszeichen, ist aber visuell unscheinbar. Hellster Stern ist Eta Piscium (Alpherg, 3.6 mag) — kaum ein Stern erreicht Magnitude 3.5. Die Figur stellt zwei Fische dar, die mit einem Band verbunden sind. Das Band läuft als V-förmige Sternenreihe unterhalb des Herbstvierecks südwestlich entlang und endet im "Knoten" Alpha Piscium (3.8 mag, Doppelstern, 1,4 Bogensekunden Abstand).
Aufsuchpfad: Verlängere die Westkante des Herbstvierecks (Markab-Scheat) nach Süden um eine Vierecks-Höhe — dort beginnt der westliche Fisch. Östlich am Vierseck entlang läuft das verbindende Band. Wer das Sternbild sicher erkennt, hat dunklen Himmel und gute Adaption.
Astronomisch interessant ist M74 (Magnitude 9.4, Spiralgalaxie face-on, 32 Mio. Lichtjahre). Sie gilt als eines der schwierigsten Messier-Objekte, weil die Flächenhelligkeit niedrig ist. Im 8-Zoll-Teleskop bei 50-facher Vergrößerung und Bortle 4 erkennst du einen runden, diffusen Lichtfleck mit hellem Zentrum. Aufsuchpfad: 1,3 Grad östlich-nordöstlich von Eta Piscium.
Begleitsternbilder Dreieck und Cassiopeia
Direkt nordöstlich von Andromeda steht das kleine Sternbild Dreieck (Triangulum) — drei Sterne 3-4 Magnitude in fast gleichseitiger Anordnung. Sein bekanntestes Objekt ist M33, die Dreiecksgalaxie. Mit 5.7 mag wäre sie das hellste Galaxien-Objekt für das bloße Auge, ihre niedrige Flächenhelligkeit macht sie jedoch zur Geduldsprobe. Im Fernglas mit 7×50 oder 10×50 unter dunklem Himmel siehst du einen schwachen, diffusen Lichtfleck — bei stadtnaher Beobachtung bleibt sie unsichtbar.
Cassiopeia steht im Herbst hoch im Nordosten als markantes "W" — fünf Sterne 2-3 mag, ein unverwechselbares Sternbild. Es dient als zweiter Anker neben dem Herbstviereck: Die linke Spitze des W zeigt grob in Richtung Andromedagalaxie, die rechte Spitze gen Polarstern. Wer das W gefunden hat, navigiert die nördliche Hälfte des Herbsthimmels intuitiv.
Zusammen bilden Pegasus, Andromeda, Dreieck und Cassiopeia eine zusammenhängende Region von rund 50 mal 30 Grad — der größte zusammenhängende "Galaxien-Garten" des Nordhimmels. Mit einer einzigen Beobachtungssession siehst du M31, M32, M110, M33 und M15 — fünf Messier-Objekte in einem Bogen, der die Lokale Gruppe der Galaxien greifbar macht.
| Objekt | Typ | Magnitude | Hilfsmittel |
|---|---|---|---|
| Herbstviereck | Sternfigur | 2.0-2.8 | Bloßes Auge |
| M31 Andromeda | Galaxie | 3.4 | Auge / 7×50 |
| M15 Pegasus | Kugelsternhaufen | 6.2 | 10×50 |
| M33 Dreieck | Galaxie | 5.7 | Fernglas + dunkel |
| Almach γ And | Doppelstern | 2.1 / 5.0 | 4 Zoll Teleskop |
| M74 Fische | Spiralgalaxie | 9.4 | 8 Zoll Teleskop |
Aufsuchpfade Schritt für Schritt
- Adaption: 20 Minuten lichtfrei warten, Rotlicht-Stirnlampe nutzen.
- Herbstviereck im Osten suchen — die vier hellen Eckpunkte sind kaum zu übersehen.
- Von Alpheratz (Nordostecke) nach Nordosten die Andromeda-Kette folgen.
- Von Mirach 3 Grad nordwestlich — dort steht M31 als nebliger Fleck.
- Zurück zum Viereck, von Markab nach Süden zum unscheinbaren Sternband der Fische.
- Von Enif (Pegasus, südwestlich) 4 Grad nordwestlich zu M15.
- Östlich der Andromeda das Dreieck-Sternbild aufsuchen und M33 versuchen.
Unterm Strich: und konkrete Empfehlungen
Wer im Herbst neu in die Sternbeobachtung einsteigt, beginnt mit zwei Hilfsmitteln: Ein 10×50-Fernglas (zum Beispiel Nikon Aculon A211 für 90 € oder Celestron SkyMaster Pro 10×50 für 130 €) und eine Sternkarten-App (Stellarium kostenlos, SkySafari Plus 15 €). Diese Kombination öffnet die Andromedagalaxie, M15, das Doppelstern-Almach und die Plejaden im Herbsthimmel.
Für den nächsten Schritt empfehle ich konkret ein 8-Zoll-Dobson-Teleskop (Skywatcher Heritage 200P oder Orion XT8 Classic, je etwa 400-500 €). Diese Aperturklasse zeigt M74 in den Fischen erstmals strukturiert, löst die Andromeda-Spiralarme an und macht M33 im Dreieck zu einem echten Highlight. Plane eine dunkle Beobachtungsstelle (Bortle 4 oder besser) — Lichtsmog frisst 80 % aller Herbstobjekte.
Veröffentlicht durch die Outdoor Panorama-Redaktion. Veröffentlicht am 20. Mai 2026.
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