Nationalpark Bayerischer Wald: Wanderwege und Tierbeobachtung
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Der aelteste Nationalpark Deutschlands: Ein Ueberblick
Der Nationalpark Bayerischer Wald wurde 1970 als erster Nationalpark Deutschlands gegruendet und umfasst zusammen mit dem 1997 erweiterten Gebiet rund 24.250 Hektar. Gemeinsam mit dem angrenzenden tschechischen Sumava-Nationalpark bildet er das groesste zusammenhaengende Waldschutzgebiet Mitteleuropas mit ueber 90.000 Hektar. Die Philosophie "Natur Natur sein lassen" hat hier zu einer einzigartigen Entwicklung gefuehrt: Sturmschaeden und Borkenkaefer-Befall wurden nicht bekaempft, sondern dem natuerlichen Kreislauf ueberlassen. Das Ergebnis ist ein Mosaik aus stehendem Totholz, Pionierbewuchs und urwaldartigen Altbestaenden.
Die Hoehenlage reicht von 600 Metern im Tal der Kleinen Ohe bis 1.456 Meter am Grossen Rachel, dem hoechsten Berg des Parks. Die Vegetation aendert sich mit der Hoehe: Buchen-Tannen-Mischwaelder in den Talauen, Fichten-Bergwaelder in mittlerer Lage und subalpine Fichtenfilze auf den Gipfeln. Ueber 300 Kilometer markierte Wanderwege durchziehen den Park, ergaenzt durch 80 Kilometer Radwege und den 150 Kilometer langen Fernwanderweg Goldsteig, der am Rand des Nationalparks verlaeuft.
Tierbeobachtung: Luchs, Auerhuhn und Habichtskauz
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Der Nationalpark beherbergt eine bemerkenswerte Tierwelt. Der Luchs (Lynx lynx) ist mit geschaetzt 15 bis 20 Individuen im deutsch-tschechischen Grenzgebiet der Star unter den Saeugetieren. Deine Chance, einen wild lebenden Luchs zu sehen, ist allerdings minimal, da die Tiere extrem scheu und daemmerungsaktiv sind. Im Tier-Freigelaende bei Neuschoenau kannst du Luchse, Woelfe, Braunbaeren, Wildpferde und Auerhahn aus naechster Naehe beobachten, was besonders mit Kindern ein Erlebnis ist. Der Eintritt ist kostenlos, der Rundweg 7 Kilometer lang.
Der Habichtskauz (Strix uralensis) wurde ab 1975 im Nationalpark ausgewildert und hat inzwischen eine stabile Population von ueber 100 Brutpaaren aufgebaut. Sein Ruf, ein tiefes, durchdringendes "huu-hu-huuuu", ist in Vollmondnaechten im Maerz und April am besten zu hoeren. Der Dreizehenspecht (Picoides tridactylus), Deutschlands seltenster Specht, profitiert vom hohen Totholzanteil und ist entlang des Seelensteigs bei Spiegelau regelmaessig zu beobachten. Im Fruehling trommeln Schwarz- und Buntspechte an den abgestorbenen Fichten, was einen eindrucksvollen akustischen Hintergrund bietet.
Die besten Wanderrouten fuer Naturbeobachter
Der Seelensteig bei Spiegelau ist ein 1,5 Kilometer langer, barrierefreier Erlebnispfad durch den Aufichtenwald, der sich besonders fuer die Beobachtung von Spechten und Waldvoegeln eignet. Der Baumwipfelpfad bei Neuschoenau fuehrt auf 1.300 Metern Laenge und bis zu 25 Metern Hoehe durch die Baumkronen und endet in einem 44 Meter hohen Aussichtsturm mit 360-Grad-Panorama. Erwachsene zahlen 12 Euro, Kinder ab 6 Jahren 10 Euro.
Fuer anspruchsvollere Wanderer bietet die Racheltour eine ganztaegige Route von 12 Kilometern mit 650 Hoehenmetern zum Grossen Rachel. Der Aufstieg fuehrt durch den Urwald am Rachelsee, Deutschlands einzigem natuerlichen Karsee im Wald, und bietet vom Gipfel eine Fernsicht bis zu den Alpen. Die Lusen-Wanderung (8 Kilometer, 450 Hoehenmeter) fuehrt zum markanten Blockmeer auf dem 1.373 Meter hohen Gipfel, einer surrealen Granit-Landschaft, die durch Frostsprengung entstanden ist.
Der Urwaldsteig am Boehmweg verbindet auf 8 Kilometern die beeindruckendsten Totholz-Bereiche des Parks. Hier siehst du, wie sich der Wald nach Borkenkaeferbefall selbst regeneriert: Junge Fichten, Ebereschen und Birken wachsen aus dem verrottenden Stamm der abgestorbenen Altbaeume. Im Herbst faerben sich die Ebereschen orange und die Birken goldgelb, was zusammen mit dem silbergrauen Totholz eine fantastische Farbkomposition ergibt.
Jahreszeiten-Kalender: Was du wann erleben kannst
Im Fruehling (Maerz bis Mai) beginnt die Balzzeit der Auerhaeaner, deren tiefes Knappen und Schleifen in den Hochlagen hoerbar ist. Die Brunftplaetze sind gesperrt, um Stoerungen zu vermeiden. Dreizehenspechte und Habichtskauze sind in der Brutzeit besonders aktiv. Im Sommer (Juni bis August) sind die Hochmoore mit Wollgras und Sonnentau am schoensten, und die Wanderwege bis zu den Gipfeln schneefrei.
Der Herbst (September bis November) bringt die Hirschbrunft, die von Mitte September bis Mitte Oktober am eindrucksvollsten ist. Das Roehren der Hirsche hallt durch die Taeeler und kann bei gefuehrten Brunftexkursionen der Nationalparkverwaltung aus sicherer Entfernung erlebt werden. Im Winter (Dezember bis Februar) verwandelt sich der Park in eine stille Schneelandschaft. Auf 80 Kilometern gespurter Loipen und 20 Kilometern Winterwanderwegen kannst du Tierspuren im Schnee folgen und mit etwas Glueck Reh, Fuchs oder Auerhahn im Wintergefieder beobachten.
Flora und Moore: Botanische Besonderheiten
Neben der Tierwelt beherbergt der Nationalpark eine bemerkenswerte Pflanzenwelt. Die Hochmoore am Latschensee und am Groessen Filz gehoeren zu den best erhaltenen Moorlandschaften Bayerns. Hier wachsen Rundblaetriger Sonnentau (Drosera rotundifolia), Moosbeere (Vaccinium oxycoccos) und Wollgras (Eriophorum) in dichten Teppichen. Der Sonnentau ist eine fleischfressende Pflanze, die Insekten mit klebrigen Tentakeln faengt und verdaut, um den Naehrstoffmangel des sauren Moorbodens auszugleichen.
In den Bergmischwaeldern findest du im Fruehsommer grosse Bestaende von Waldmeister, Baerlauch und Maigloeckchen. Oberhalb von 1.200 Metern praegen Heidelbeere, Preiselbeere und Alpenrose die Bodenvegetation. Die artenreichsten Bereiche sind die Waldsaeume und Lichtungen, wo Orchideen wie das Grosse Zweiblatt (Listera ovata) und das Breitblaettrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) bluehen. An den Felswaenden des Lusen und Rachel wachsen seltene Flechten und Moose, die als Indikatoren fuer gute Luftqualitaet gelten. Der Nationalpark hat ueber 400 Flechtenarten dokumentiert, mehr als jedes andere Gebiet Bayerns gleicher Groesse.
Anreise, Unterkuenfte und praktische Tipps
Der Nationalpark liegt zwischen Grafenau und Bayerisch Eisenstein und ist ueber die A3 (Ausfahrt Deggendorf) oder die B11 erreichbar. Innerhalb des Parks verkehren von Mai bis Oktober kostenlose Igelbusse auf mehreren Linien, die alle wichtigen Ausgangspunkte verbinden. Das Hans-Eisenmann-Haus in Neuschoenau ist das zentrale Besucherzentrum mit Dauerausstellung, Nationalparkshop und Startpunkt fuer gefuhrte Wanderungen. Das Haus zur Wildnis in Ludwigsthal am Falkenstein bietet ein zweites Besucherzentrum mit Schwerpunkt Urwald.
Unterkuenfte findest du in den Orten Grafenau, Spiegelau, Neuschoenau und Bayerisch Eisenstein, von einfachen Pensionen ab 40 Euro pro Nacht bis zum Wellnesshotel. Campingplaetze gibt es in Grafenau und Riedlhuette. Im Park selbst ist Zelten verboten. Die Nationalparkverwaltung bietet ganzjaehrig gefuehrte Wanderungen, Tierbeobachtungen und thematische Exkursionen an, die kostenlos sind und ueber die Website nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de buchbar sind. Nimm feste Wanderschuhe mit, denn viele Wege sind feucht und wurzelreich.
Ein besonderes Erlebnis ist die Nacht im Nationalpark. Die Nationalparkverwaltung bietet von Mai bis September sogenannte Waldnaechte an, bei denen du unter fachkundiger Fuehrung die nachtaktive Tierwelt erlebst. Habichtskauze rufen in der Daemmerung, Gluehwuermchen leuchten an feuchten Waldraendern, und mit etwas Glueck hoerst du das durchdringende Bellen eines Fuchses oder das leise Rascheln eines Siebenschlaefers. Die Fuehrungen starten gegen 20 Uhr und dauern drei bis vier Stunden. Bring eine Stirnlampe mit Rotlichtmodus und warme Kleidung mit, auch im Sommer kann es in 1.000 Metern Hoehe empfindlich kueel werden.
Veröffentlicht durch die Outdoor Panorama-Redaktion. Veröffentlicht am 15. September 2026.
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