Gorge Scrambling: Klammwanderungen in den Alpen
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Die Liechtensteinklamm in Salzburg ist 1000 Meter lang, an der engsten Stelle nur drei Meter breit und führt 300 Höhenmeter durch tosendes Wasser — ein Klassiker des alpinen Gorge Scrambling mit über 200.000 Besuchern jährlich. Im Unterschied zum Canyoning bleibt man dabei trocken auf gesicherten Pfaden, Brücken und Stegen. Gorge Scrambling ist die kontrollierte Variante des Schluchtenwanderns: Stahlseile statt Klettergurt, Holzstege statt Neopren.
Die Faszination liegt im Mikroklima: zehn Grad kühler als oben, ständige Geräuschkulisse durch Wasser, Sonnenlicht in dramatischen Lichtkegeln durch enge Felsspalten. Wer die Partnachklamm bei Garmisch im Februar bei minus zehn Grad betritt, wandert durch eine Eiskathedrale aus gefrorenen Wasserfällen.
Schwierigkeitsgrade und Tour-Klassifizierung
Klammwanderungen werden in vier Kategorien eingeteilt: T1 bezeichnet barrierearme Spazierwege mit befestigten Holzstegen, geeignet für Familien mit Kinderwagen. Die Almbachklamm bei Berchtesgaden fällt in diese Klasse. T2 erfordert Trittsicherheit, oft enge Treppen und Stahlseilabschnitte — die Partnachklamm gehört hierher.
T3-Klammen wie die Wimbachklamm haben unbefestigte Pfade mit Felstreppen und Stellen, an denen Schwindelfreiheit nötig ist. T4 sind reine Bergwanderer-Touren wie die Höllental-Klamm am Wegfuß zur Zugspitze: ausgesetzte Stege, Tunnelpassagen, lange Aufstiege im Anschluss. Wer Klamm und Bergtour kombiniert, plant 1.000 bis 1.500 Höhenmeter zusätzlich ein.
Die Schwierigkeit ändert sich mit Jahreszeit und Wetter dramatisch: Starkregen schließt fast alle Klammen sofort wegen Steinschlaggefahr, Eis im Winter macht selbst T1-Pfade zur T3-Tour.
Ausrüstung für Gorge Scrambling
Festes Schuhwerk mit Profilsohle ist nicht verhandelbar. Wanderstiefel mit Vibram-Sohle der Klassen B oder B/C bringen die nötige Standfestigkeit auf nassen Felsstufen. Trekkingsandalen rutschen auf feuchtem Holz, glatte Turnschuhe ebenfalls. Für T2-T4-Klammen gehören Trekkingstöcke ins Gepäck — sie kompensieren bei nassen Stufen, ungleichmäßigem Untergrund und Stahlseilpassagen.
Regenjacke gehört auch bei strahlend blauem Himmel mit. Klammen erzeugen permanente Gischt — wer eine Stunde durchwandert, ist ohne Schutz durchnässt. Wasserdichte Hüllen für Smartphone und Kamera sparen teure Reparaturen. Stirnlampe für Tunnelabschnitte in der Höllentalklamm oder Aareschlucht erlaubt sicheres Passieren ohne Anhängen an andere Gruppen.
Die schönsten Klammtouren der Ostalpen
Die Liechtensteinklamm in Salzburg führt über 700 Meter befestigte Stege bis zum 50 Meter hohen Schleierfall — Eintritt 8 Euro, geöffnet Mai bis Oktober. Die Wege wurden 2020 nach einem Felssturz komplett saniert. Die Almbachklamm bei Berchtesgaden ist mit 29 Brücken, 320 Stufen und 3 Kilometern Länge die längste begehbare Klamm Deutschlands. Eintritt 4 Euro, ganzjährig geöffnet außer bei Hochwasser.
Die Aareschlucht zwischen Innertkirchen und Meiringen in der Schweiz ist 1400 Meter lang, mit Tunneln, Galerien und Stegen. Beleuchtete Abschnitte erlauben Begehung auch bei schlechtem Licht — der Eintritt liegt bei 11 Schweizer Franken. Die Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen ist im Winter ein Eiskuriosum: Schicht-Eis an den Wänden, gefrorene Wasserfälle, Pfad teilweise vereist.
Die Wimbachklamm im Berchtesgadener Land ist kürzer, weniger überlaufen und bietet eine ursprünglichere Atmosphäre. Eintritt 2 Euro, oft nur 50 Besucher gleichzeitig — Geheimtipp für Foto-Enthusiasten.
| Klamm | Region | Länge | Schwierigkeit | Eintritt |
|---|---|---|---|---|
| Liechtensteinklamm | Salzburg | 1000m | T2 | 8 EUR |
| Almbachklamm | Berchtesgaden | 3000m | T2 | 4 EUR |
| Partnachklamm | Garmisch | 700m | T2 | 6 EUR |
| Aareschlucht | Schweiz | 1400m | T1-T2 | 11 CHF |
| Wimbachklamm | Berchtesgaden | 200m | T1 | 2 EUR |
Sicherheit und Wetterabhängigkeit
Hochwasser ist die größte Gefahr. Selbst weit entfernte Gewitter im Einzugsgebiet können binnen 30 Minuten eine sichere Klamm in tödliche Sturzflut verwandeln. Vor jeder Tour Wettervorhersage für das gesamte Einzugsgebiet prüfen, nicht nur am Eingang. Die Klamm-Betreiber sperren bei Wetterwarnungen — wer die Tour trotzdem antritt, riskiert sein Leben.
Steinschlag ist permanente Gefahr in jeder Klamm. Helme werden in Deutschland nicht verlangt, sind aber sinnvoll bei T3-T4-Touren. Bei lockerem Schotter oder nach Regenwochenenden absolut empfehlenswert. Auf den Wegen bleiben — die Stege sind statisch berechnet, Felsen daneben oft instabil.
Tunnelabschnitte sind in einigen Klammen verbindlich: Aareschlucht, Höllentalklamm, Klamm im Glettrigerinnerwand. Eine Stirnlampe verhindert Anstoßen am Kopf und unsicheres Hinterhergehen. Im Winter sind viele Klammen wegen Steinschlag oder Eisfall komplett gesperrt.
Anreise, Parken und Besucherzeiten
Beliebte Klammen wie Partnachklamm und Liechtensteinklamm sind im Juli und August zwischen 10 und 16 Uhr komplett überlaufen. Tickets vorab online buchen, Anreise vor 9 Uhr oder nach 16 Uhr plant die echten Naturerlebnisse. Parkplätze kosten meist 5 bis 8 Euro pro Tag und sind bei Hochsaison ausgebucht.
Die Anreise mit ÖPNV funktioniert für viele Klammen erstaunlich gut: Aareschlucht hat eigene Bahnstation, Partnachklamm ist 15 Minuten Fußweg vom Olympiastadion Garmisch, Wimbachklamm wird von der Buslinie 838 ab Berchtesgaden bedient. Wer Kombinationen mit Bergbahnen plant (Höllentalklamm → Zugspitze), spart sich Parkstress komplett. Für Mehrtagestouren bietet sich der Bayerische Wandern-Pass an: drei Tage unbegrenzte Bahn- und Busfahrten plus Eintritt in 20 Sehenswürdigkeiten für 39 Euro. Die Investition lohnt sich, wenn man Partnachklamm und Almbachklamm in derselben Woche besucht.
- Wetterbericht für das Einzugsgebiet prüfen — nicht nur am Klamm-Eingang
- Festes, profiliertes Schuhwerk und Regenjacke einpacken — auch bei Sonnenschein
- Tickets online buchen für beliebte Klammen, vor 9 Uhr oder nach 16 Uhr besuchen
- Stirnlampe für Tunnelpassagen mitnehmen
- Im Winter Sperrungen prüfen — viele Klammen geschlossen wegen Eisschlag
Unterm Strich: Klammwanderung als Einstieg in alpine Touren
Gorge Scrambling ist die niedrigschwellige Tür zur alpinen Wanderkultur. Wer Liechtenstein-, Partnach- und Almbachklamm gesehen hat, hat das Wasserkraft-Drama der Alpen erlebt ohne Klettergurt anlegen zu müssen. Für Einsteiger ist die Almbachklamm in Berchtesgaden die ideale Erstwahl: lang, gut gesichert, ganzjährig zugänglich, geringer Eintritt.
Wer mehr will, kombiniert Klamm mit Bergtour: die Höllentalklamm als Auftakt zur Zugspitze, die Wimbachklamm als Auftakt ins Wimbachgries. Im Winter lohnt sich die Partnachklamm trotz teurer Anreise — die Eiskathedrale gibt es nirgendwo sonst in Mitteleuropa zu sehen. Auch die Breitachklamm im Allgäu ist ganzjährig geöffnet und im Winter ein Geheimtipp für Fotografen mit Stativ und Polfilter. Die Lange-Belichtung zwischen den Eiswänden zeigt Wasserfälle als Schleier, Sterne in der Tunnelöffnung wirken wie Galaxien. Für maximales Naturerlebnis ohne Massen empfiehlt sich die Höhlensteinklamm in Tirol: kostenlos, frei zugänglich, ohne Eintritt, ohne Sperrzeiten — dafür ohne Sicherheitsstege und ausschließlich für trittsichere Wanderer.
Veröffentlicht durch die Outdoor Panorama-Redaktion. Veröffentlicht am 15. Juli 2026.
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