Catch and Release: Schonender Umgang mit dem Fisch
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In Deutschland ist Catch and Release als Selbstzweck rechtlich heikel, in Österreich und der Schweiz an vielen Gewässern dagegen üblich. Wer Fische zurücksetzt, trägt Verantwortung: Studien aus Skandinavien zeigen Überlebensraten zwischen 35 und 99 Prozent, je nach Art, Wassertemperatur und vor allem nach Handling. Mit der richtigen Technik liegt die Rate fast immer über 90 Prozent. Mit Fehlern kannst du sie auf unter 50 Prozent drücken, ohne es zu merken.
Die rechtliche Lage in Deutschland kurz vorab
Das deutsche Tierschutzgesetz verbietet, einem Tier ohne vernünftigen Grund Leid zuzufügen. Reines Spaßangeln mit anschließendem Zurücksetzen ist daher in den meisten Bundesländern juristisch problematisch. Erlaubt bleibt das Zurücksetzen wegen Schonzeit, Mindestmaß, Schonbestimmung des Bewirtschafters oder weil der Fisch nicht zur Verwertung geeignet ist (zu klein, zu groß, falsche Art).
Praktisch bedeutet das: Du musst beim Angeln in Deutschland immer mit der Verwertungsabsicht beginnen. Wenn der gefangene Fisch dann eine Schutzbestimmung erfüllt, kein Beweis für reines Catch and Release. In Österreich, der Schweiz und vielen anderen Ländern ist die Lage entspannter, dort gilt schonendes Zurücksetzen oft sogar als Pflicht für bestimmte Arten.
Unabhängig vom Gesetz: Jeder Fisch, den du nicht behältst, verdient die bestmögliche Behandlung. Das ist Handwerk, kein Idealismus.
Wassertemperatur ist der wichtigste Einzelfaktor
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Studien aus Norwegen und Kanada zeigen einen klaren Zusammenhang: Mit jedem Grad über 20 Grad Wassertemperatur sinkt die Überlebensrate zurückgesetzter Salmoniden überproportional. Bei 25 Grad sterben selbst bei perfektem Handling mehr als die Hälfte der Forellen und Äschen innerhalb von 24 Stunden, durch Sauerstoffmangel und Stress.
Konkret heißt das: Wer bei Sommerhitze angelt, sollte auf Salmoniden ganz verzichten oder ausschließlich frühmorgens fischen, wenn die Wassertemperatur unter 18 Grad liegt. Hecht und Zander vertragen mehr, Barsch und Karpfen sind ohnehin robust. Aber auch sie haben ihre Grenzen.
Ein günstiges Thermometer aus dem Aquaristikbedarf für 8 bis 12 Euro gehört in jede Angeltasche. Wer das Wasser misst, bevor er den ersten Wurf macht, fischt verantwortungsvoller als 80 Prozent aller Angler.
Der Drill: kurz halten, nicht ausreizen
Je länger der Drill, desto stärker baut der Fisch Milchsäure auf und desto mehr stresst er. Aus Studien an Lachsen weiß man: Ein Drill von über 10 Minuten reduziert die Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich, ab 20 Minuten kritisch.
Die Lösung ist kein brutaler Pump-Drill, sondern angepasstes Material. Wer auf 50 cm Forelle mit 4-Pfund-Schnur fischt, drillt eben 15 Minuten. Wer 6 bis 8 Pfund nimmt, drillt 3 bis 5 Minuten und der Fisch ist nicht erschöpft. Schwächere Schnur bedeutet selten mehr Bisse, aber immer längeren Drill, und mehr Verluste.
Beim Anlanden: Niemals den Fisch unnötig vor dem Kescher noch einmal aus dem Wasser springen lassen. Sobald er nah ist, ruhig in den Kescher führen. Ein gummierter Kescher (Knotenlose Maschen, gummierte Beschichtung) verletzt die Schleimhaut deutlich weniger als ein klassischer Schnurkescher.
Hakenlösen: die häufigste Verletzungsquelle
Der schwerwiegendste Fehler beim Hakenlösen ist Hektik. Wer einen tief sitzenden Haken mit der Zange einfach herausreißt, verletzt Kiemen und Speiseröhre, der Fisch verblutet später unbemerkt. Lieber den Vorfach nahe am Haken durchschneiden und den Haken im Fisch lassen. Studien zeigen, dass Fische verbliebene Haken in 60 bis 80 Prozent der Fälle innerhalb weniger Wochen ausstoßen oder verkapseln.
Standard-Werkzeug: eine lange Hakenlösezange (15 bis 20 Zentimeter) für 12 bis 25 Euro. Marken wie Berkley, Rapala oder Stonfo liefern brauchbares Material. Beim Hechtangeln zusätzlich ein Maulsperrer mit gummierten Klammern, um sich selbst zu schützen und gleichzeitig sanft am Maul zu arbeiten.
Widerhakenlose Haken (entweder gekauft oder mit der Zange abgequetscht) machen einen riesigen Unterschied. Sie lösen sich in einem Bruchteil der Zeit und verursachen kaum Verletzungen. Bisse gehen leicht messbar zurück, aber für Catch-and-Release-Angler ist der Trade-Off lohnend.
Das Zurücksetzen selbst: die letzten 30 Sekunden zählen
Den Fisch nie einfach ins Wasser werfen. Ihn aufrecht im Wasser halten, Kopf gegen die Strömung. Bei Fließgewässern braucht es oft 20 bis 60 Sekunden, bis der Fisch von selbst aus deiner Hand schwimmt. Bei stehendem Wasser hilft sanftes Vor- und Rückwärtsbewegen, um Wasser durch die Kiemen zu drücken, aber niemals abrupt, das stresst zusätzlich.
Ein Fisch, der sofort kraftvoll wegschwimmt, hat gute Chancen. Ein Fisch, der seitlich treibt oder bauchoben auftaucht, ist erschöpft oder beschädigt. In dem Fall: weiter im Wasser halten, sanft Wasser durch die Kiemen leiten, geduldig warten. Wer in dem Moment aufgibt und den Fisch loslässt, hat ihn umsonst gefangen.
Checkliste für den Augenblick am Wasser
| Phase | Maßnahme |
|---|---|
| Vorbereitung | Thermometer dabei, Drill-stärkes Material, Zange + gummierter Kescher |
| Drill | Kurz halten (3-5 Minuten), Fisch nicht aus dem Wasser springen lassen |
| Landung | Gummierter Kescher, Fisch im Wasser belassen |
| Hakenlösen | Lange Zange, bei Tief-Sitz Vorfach durchschneiden |
| Foto | Nasse Hände, max. 10 Sekunden, lieber im Kescher fotografieren |
| Freilassen | Aufrecht im Wasser halten bis er selbst wegschwimmt |
Catch and Release ist kein Trick und kein moralisches Statement. Es ist ein Handwerk. Wer es ordentlich macht, fischt jahrzehntelang in lebendigen Gewässern. Wer es schlampig macht, dezimiert seinen Bestand selbst, Fisch für Fisch, ohne es zu merken.
Veröffentlicht durch die Outdoor Panorama-Redaktion. Veröffentlicht am 9. September 2026.
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